UN-Tag der digitalen Zusammenarbeit mit Blockchain-Schwerpunkt: Finanzielle Inklusion und souveräne Infrastruktur im Fokus

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vor 1 StundeQuelle: blockweeks.com
UN-Tag der digitalen Zusammenarbeit mit Blockchain-Schwerpunkt: Finanzielle Inklusion und souveräne Infrastruktur im Fokus

Verfasst von: Frank Corva, Forbes

Übersetzt von: AididiaoJP, Foresight News

Bei den Vereinten Nationen wird Bitcoin selten allein an den Haupttisch gesetzt. Am 21. September jedoch wurde beim in New York stattfindenden „Tag der digitalen Zusammenarbeit“ 2026 eine eigene Sitzung für Blockchain und tokenisierte Vermögenswerte eingerichtet. Die Veranstaltung wurde vom Büro der Vereinten Nationen für digitale und neue Technologien ausgerichtet und fand während der hochrangigen Woche der Generalversammlung statt. Vertreter aus dem öffentlichen und privaten Sektor betrachten Bitcoin als Instrument für finanzielle Inklusion und auch als strategischen Vermögenswert. Auf dem Treffen ging es nicht um Kursgewinne oder -verluste, sondern darum, ob Entwicklungsländer dieses Instrument in ihre nationale digitale öffentliche Infrastruktur einbetten können.

Das Thema der Sondersitzung lautete „Die Zukunft der Blockchain und Tokenisierung: Souveräne Wahlmöglichkeiten und Schutz für die nächste Generation digitaler öffentlicher Infrastruktur“, mit deutlichem politischen Charakter. Die öffentliche Liste der Vereinten Nationen zeigt, dass Jeremy Almond, CEO von Paystand, und Bilal Bin Saqib, Vorsitzender der pakistanischen Behörde für virtuelle Vermögenswerte und Staatsminister, an dieser Diskussion teilnahmen. Ebenfalls anwesend waren der pakistanische Finanzminister Muhammad Aurangzeb, Circle-Gründer Jeremy Allaire, Ella Zhang von YZi Labs sowie der Minister für Kommunikation und Informationstechnologie Tansanias und der ständige Vertreter Singapurs bei den Vereinten Nationen und weitere Regierungsbeamte. Die Zusammensetzung selbst zeigt, dass die Diskussionsteilnehmer nicht mehr nur Börsen und Fondsmanager sind, sondern Finanzministerien, Aufsichtsbehörden und diejenigen, die die nationale digitale Basis aufbauen wollen.

Autonomie statt Bluttransfusion

Almond bezeichnete Bitcoin auf dem Treffen als Katalysator für die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Sein zentrales Anliegen war nicht „Wird es steigen, wenn ich es kaufe?“, sondern „Wer hat die Handlungsfähigkeit?“. Wohltätigkeit kann Geld und Projekte liefern, aber nicht unbedingt ein funktionierendes lokales System hinterlassen. Er plädiert dafür, mit Bitcoin und Tokenisierungswerkzeugen wirtschaftliche Autonomie zu schaffen: Zahlungseingang, Sparen, lokaler Kreislauf, möglichst ohne den Umweg über Bankfilialen, die Dörfer nicht erreichen. Dies steht in einer Linie mit seinem Ansatz aus dem Vorjahr, als er am Rande der Generalversammlung über „Bitcoin-Kreislaufwirtschaft“ sprach – zuerst muss das Geld vor Ort zirkulieren, dann kann man über große Ziele sprechen.

Bin Saqib brachte die Veranstaltung von der Idee zurück zur nationalen Realität. Pakistan hat über 230 Millionen Einwohner, die Bankendurchdringung im ländlichen Raum ist begrenzt, und Identität, Land und Kleinzahlungen bleiben oft in offline-Bürokratie stecken. Für ein solches Land ist Blockchain-Finanzinfrastruktur keine Sandkastenübung. Pakistan hat in den letzten Jahren auch auf UN-Ebene globale Regeln für digitale Vermögenswerte vorangetrieben und diese ausdrücklich an die Ziele für nachhaltige Entwicklung geknüpft. Dass der Finanzminister und der Vorsitzende der Behörde für virtuelle Vermögenswerte gleichzeitig in relevanten Segmenten auftraten, bedeutet, dass „ob regulieren, wie regulieren, und ob es nach der Regulierung nutzbar ist“ auf einmal offengelegt wurde.

Die Sondersitzung drehte sich wiederholt um zwei Schlüsselbegriffe: Interoperabilität und souveräne Wahl. Interoperabilität bedeutet, dass Systeme miteinander verbunden werden müssen, sonst bleiben grenzüberschreitende Abrechnung, Identitätsprüfung und tokenisierte Vermögenswerte Inseln. Souveräne Wahl bedeutet, dass die Entscheidung über die Einführung im eigenen Land bleibt und nicht ein Rahmenwerk importiert wird, das für eine andere Art von Wirtschaft entwickelt wurde. Für den globalen Süden ist dieser Satz sehr praktisch: Die Lizenzlogik Washingtons oder Brüssels passt möglicherweise nicht zu einer lokalen Bargeldgesellschaft und einem schwachen Bankennetz.

Die Vereinten Nationen beschäftigen sich nicht plötzlich mit Krypto

2024 verabschiedete die Generalversammlung den „Global Digital Compact“, der digitale öffentliche Güter, digitale öffentliche Infrastruktur, digitalen Wandel und Open Source in einen gemeinsamen Rahmen aufnahm. 2025 wurde das Büro des technischen Gesandten des Sekretariats in das Büro für digitale und neue Technologien umstrukturiert. Der Tag der digitalen Zusammenarbeit ist eine Gelegenheit, den Compact auf die Umsetzungsebene zu bringen; die Hauptachse bleiben KI-Governance, Kompetenzen und grenzüberschreitende Sandkästen. Dass die Blockchain-Sitzung separat aufgeführt werden konnte, zeigt, dass Tokenisierung bereits in das Menü der „nächsten Generation DPI“ aufgenommen wurde und nicht nur Randgeräusche ist.

Die früheren substanziellen Diskussionen fanden auf rechtlicher Ebene statt. Im Februar dieses Jahres nahm das Bitcoin Policy Institute an Diskussionen der UNCITRAL über digitalen Handel und Finanzen teil, wobei die Kernfrage lautete: Wie definiert das bestehende Handelsrecht digitale Vermögenswerte, wie begründet Kontrolle Eigentumsrechte und Vorrangrechte. Ohne diese Definitionen können tokenisierte Anleihen, On-Chain-Rechnungen und grenzüberschreitende Sicherheiten kaum in reguläre Verträge aufgenommen werden. Auch das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen hat Pilotprojekte und Studien zu Distributed-Ledger-Technologie durchgeführt, die Landregistrierung, Identitätsprüfung und andere Szenarien abdecken, in denen traditionelle bürokratische Systeme schwach sind. Die Veranstaltung am Tag der digitalen Zusammenarbeit schiebt die Frage „Kann es genutzt werden?“ einen Schritt weiter zu „Wer legt die Regeln fest, wie werden Risiken abgewehrt?“.

Die Anwesenheit des Circle-Gründers in derselben Sondersitzung brachte auch das Thema Stablecoins aufs Parkett. Wenn souveräne Wahl umgesetzt werden soll, werden viele Regierungen wahrscheinlich zuerst mit fiat-gekoppelten Tokenisierungswerkzeugen in Berührung kommen und dann entscheiden, welchen Platz Bitcoin in Reserven, Devisen oder privatem Sparen einnimmt. Der „strategische Vermögenswert“ im Text von Corva bezieht sich auf den Diskussionsrahmen, nicht darauf, dass Mitgliedstaaten bereits kollektiv BTC in ihre Reservenlisten aufgenommen haben.

Grenzen müssen klar geschrieben werden

Die Vereinten Nationen haben Bitcoin nicht als offiziellen Reservevermögenswert eingestuft und auch nicht empfohlen, dass nationale Finanzministerien Münzen kaufen. Die Institutionen rahmen die Diskussion in Anwendungsszenarien, Infrastruktur und Risikoschutz. Schutz bedeutet Geldwäschebekämpfung, Verbraucherschutz, grenzüberschreitende Regulierungsarbitrage; diese Themen verschwinden nicht wegen einer Nebenveranstaltung. Was sich wirklich verändert hat, ist die Atmosphäre: Bei Veranstaltungen am Rande der Generalversammlung wird Bitcoin positiv erwähnt und mit finanzieller Inklusion im globalen Süden verbunden. Vor einigen Jahren war der offizielle Diskurs häufiger von Spekulation, Energieverbrauch und Risiken für die Finanzstabilität geprägt. Jetzt stehen Risiken immer noch auf der Agenda, aber der Nutzen darf auf die Bühne.

Pakistan verdient besondere Aufmerksamkeit. Die Behörde für virtuelle Vermögenswerte baut noch einen Rahmen auf, der „Innovation und Verbraucherschutz gleichermaßen“ betont; dass ihr Vorsitzender an einer UN-Sondersitzung teilnehmen kann, zeigt, dass Islamabad an der Regelsetzung mitwirken will und nicht einfach kopieren möchte. Für den Markt kann eine Nebenveranstaltung die Tagespreisbildung nicht ändern. Mittelfristig sind drei Dinge zu beobachten: ob digitale öffentliche Infrastruktur Bitcoin, Stablecoins und tokenisierte Vermögenswerte in nationale Systeme aufnimmt; wie weit die rechtliche Ebene bei „Kontrolle“ und grenzüberschreitender Anerkennung vorankommt; ob Pilotprojekte von Entwicklungsinstitutionen von Weißbüchern zu replizierbaren Zahlungs- und Eigentumsnetzwerken werden.

Der Eingang hat sich bereits von Kurs-Websites zu politischen Veranstaltungsorten verlagert. Der nächste Schritt ist nicht, wer „Bitcoin verändert die Welt“ ruft, sondern ob Länder tatsächlich Abrechnung, Identität und Eigentumsregistrierung an diese Schiene anschließen.