Autor: Bitwise
Übersetzung: Jiahuan
Anders als die meisten Vermögenswerte wurden Krypto-Assets ursprünglich von Privatanlegern vorangetrieben. Selbst heute kontrollieren Privatanleger Schätzungen zufolge noch mehr als zwei Drittel des Kryptomarktes.¹ Das bedeutet, dass institutionelle Anleger auch weiterhin eine wichtige Rolle bei der Entwicklung dieser Anlageklasse spielen werden. Daher wird das Ausmaß, in dem institutionelle Anleger Krypto-Assets akzeptieren, einen erheblichen Einfluss auf die Aussichten dieser Anlageklasse haben.
Allerdings sind Institutionen in der Regel nicht bereit, öffentlich über ihre Ansichten zu Krypto-Assets zu sprechen. Ob aus Wettbewerbsgründen oder aus Angst vor Reputationsschäden – die meisten Institutionen haben es historisch vermieden, ihre Bestände öffentlich offenzulegen.
Dieser Bericht möchte dieses Schweigen durchbrechen.
Anfang dieses Jahres haben wir uns eingehend mit leitenden Investmentfachleuten von 15 großen Institutionen weltweit ausgetauscht, um ihre Sicht auf Krypto-Assets zu verstehen. Wir stellten einige direkte Fragen: Welche Krypto-Assets kaufen Sie? Wie viel haben Sie allokiert? Warum halten Sie Krypto-Assets?
Ihre offenen Antworten haben uns überrascht. Eine der Erkenntnisse der Studie ist: Obwohl die Preise von Krypto-Assets zwischen Oktober 2025 und April 2026 um mehr als 50 % zurückgingen, plant keine der von uns interviewten Institutionen, ihre Allokation in dieser Anlageklasse zu reduzieren. Institutionen tätigen langfristige Allokationen.
Ob Sie als andere Institution verstehen möchten, wie Peers diesen Bereich sehen, oder als Privatanleger die Marktstimmung einschätzen wollen – dieser Bericht öffnet Ihnen ein Fenster, um zu verstehen, wie einige der heute einflussreichsten Investoren der Welt den Kryptomarkt betrachten.
Institutionelles Kapital strömt in den Krypto-Bereich
Institutionelle Anleger beginnen, Krypto-Assets als wichtigen Bestandteil eines Portfolios zu betrachten. Die Institutionalisierung von Krypto-Assets verläuft schneller und nachhaltiger, als die Öffentlichkeit allgemein annimmt. Obwohl der Markt weiterhin mit vielen Unsicherheiten behaftet ist, erwarten wir, dass in den nächsten fünf Jahren die meisten institutionellen Anleger Krypto-Assets halten werden.
Nach Interviews mit 15 erfahrenen Entscheidern über Vermögensallokation von Stiftungen, Förderstiftungen, Pensionsfonds, Multi-Family-Offices, Staatsfonds und börsennotierten Unternehmen haben wir drei konsistente Trends festgestellt.
Bitcoin ist ein von Institutionen allgemein anerkannter Vermögenswert mit hoher Überzeugung, Ethereum und Solana hingegen nicht. Alle von uns interviewten Institutionen, die Krypto-Assets halten, halten Bitcoin. Die meisten Institutionen betrachten Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel und vergleichen es häufig ausdrücklich mit Gold. Ethereum, Solana und andere Krypto-Assets werden von einigen Institutionen als frühe Technologieinvestitionen betrachtet, für die klare Leistungsschwellen festgelegt und kürzere Haltedauern gewählt werden. Die Krypto-Allokation der befragten Institutionen reicht von 0,5 % bis 13 % des investierbaren Vermögens, wobei die meisten zwischen 1 % und 2 % liegen.
Die Krypto-Allokationen von Institutionen sind relativ beständig. Von Oktober 2025 bis April 2026 fiel der Kryptomarkt um etwa 50 %, aber keine der von uns interviewten Institutionen reduzierte während des Marktrückgangs ihre Allokation; einige stockten sogar auf. Auf die Frage, was sie zum Ausstieg bewegen würde, nannte niemand den Preis. Die Gründe, die sie für einen Ausstieg in Betracht ziehen, hängen mit der Investmentlogik zusammen: Ethereum und Solana haben keinen praktischen Nutzen gezeigt, die Regulierungsrichtung hat sich umgekehrt, oder die gesamte Branche erleidet eine Vertrauenskrise. Dies steht einer gängigen Annahme entgegen: Institutionen sind nicht diejenigen, die bei einem Rückgang des Kryptomarktes am ehesten verkaufen; der Verkaufsdruck kommt von elsewhere.
Die verbleibenden Hindernisse für Wachstum sind Governance und Reputation, nicht der Investmentwert. Die meisten Institutionen, mit denen wir gesprochen haben, erkennen den Wert an, Krypto-Assets in ein diversifiziertes Portfolio aufzunehmen. Was die Allokation derzeit verlangsamt, ist die Frage, wie Krypto-Assets in bestehende investmentpolitische Kategorien eingeordnet werden können, wie sie durch Vorstand und Ausschüsse genehmigt werden und wie das Reputationsrisiko durch öffentliche Aufmerksamkeit gemanagt werden kann. Mit der Zunahme von Spot-Krypto-ETFs, der Verbesserung des regulatorischen Umfelds und der zunehmenden Offenlegung von Beständen durch Peers nehmen diese Hindernisse ab, sind aber nach wie vor nicht zu unterschätzen.
Wir sind der Ansicht, dass sich die institutionelle Nachfrage außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung allmählich aufbaut. Einige der befragten Investoren, die noch keine Krypto-Assets allokiert haben, befinden sich bereits in der späten Phase der Due Diligence. Wir erwarten jedoch, dass sich dieser Prozess allmählich entfalten wird. Bei umstrittenen Vermögenswerten kann es Jahre dauern, bis Institutionen einen Konsens erzielen; selbst wenn sie allokieren, neigen Institutionen oft dazu, diskret zu bleiben. Doch die Anzeichen deuten darauf hin, dass institutionelles Kapital in den Krypto-Bereich strömt.
01 / Bitcoin ist ein von Institutionen allgemein anerkannter Vermögenswert mit hoher Überzeugung
Alle von uns interviewten Institutionen, die Krypto-Assets halten, halten Bitcoin. Für fast alle Institutionen ist Bitcoin das Krypto-Asset, das sie zuerst gekauft haben, das sie am stärksten gewichten und das sie am längsten halten. Es ist das einzige Krypto-Asset, bei dem institutionelle Anleger allgemein einen Konsens bilden können.
Die Gründe institutioneller Anleger für Bitcoin-Investitionen sind unterschiedlich. Die meisten Institutionen betrachten Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel mit erheblichem potenziellem Aufwärtspotenzial und stellen es oft neben Gold als Absicherung gegen den Kaufkraftverlust von Fiat-Währungen. Eine Stiftung beschrieb ihre Bitcoin-Position als Investition in ein „von einer aufstrebenden zu einer ausgereiften Wertaufbewahrungseinheit“ und zugleich als eine Art Wagniskapitalwette: In den nächsten 5 bis 15 Jahren werde der Bitcoin-Markt auf 20 Billionen US-Dollar anwachsen.
Einige Institutionen allokieren einen Korb der wichtigsten Krypto-Assets nach Marktkapitalisierungsgewicht, sodass Bitcoin etwa 80 % ihrer Krypto-Bestände ausmacht. Die meisten Institutionen halten Bitcoin jedoch als eigenständige Position.
Selbst Institutionen, die Bitcoin nicht direkt halten können, erkennen seine Rolle bei der Risikodiversifizierung im Portfolio an. Die Richtlinien einer großen Stiftung verbieten das Halten jeglicher physischer Rohstoffe, einschließlich Bitcoin, dennoch betrachtet sie Bitcoin als digitales Gegenstück zu Gold und als Kernanlage der gesamten Krypto-Asset-Klasse.
02 / Ethereum und Solana sind Wetten, die von der Investmentlogik abhängen
Bitcoin hat sich als Konsens unter institutionellen Anlegern etabliert, doch das gilt nicht für Ethereum, Solana und andere Krypto-Assets mit geringerer Marktkapitalisierung. Institutionen, die diese Assets halten, haben kleinere Allokationen, kürzere Anlagehorizonte und klare Exit-Bedingungen festgelegt.
Einige Institutionen halten überhaupt kein Ethereum oder Solana, aus unterschiedlichen Gründen. Eine Institution hatte DeFi-Anwendungen intensiv genutzt, einschließlich Kreditvergabe, Handel, Stablecoins und Staking, sah jedoch nicht, wie die zugrunde liegenden Token an Wert gewinnen könnten. Aus ihrer Sicht ist es den Nutzern egal, welcher Unterschied zwischen Blockchains besteht und ob eine Anwendung auf Ethereum oder Solana läuft. Eine andere Institution hatte Schwierigkeiten, Ethereum oder Solana in ihr bestehendes Investmentframework einzuordnen: Sind sie Wertaufbewahrungsmittel, eigenkapitalähnliche Assets oder Rohstoffe? Wenn eine klare Wertakkumulationslogik fehlt oder keine Übereinstimmung mit dem bestehenden Investmentframework besteht, ist die Standardentscheidung, nicht zu investieren.
Institutionen, die Ethereum und Solana halten, betrachten sie als frühe Technologieinvestitionen. Mehrere Institutionen erklärten ausdrücklich, dass sie verkaufen würden, wenn in den kommenden Jahren kein substanzielles Nutzungswachstum eintritt.
Bei Institutionen, die beide Assets halten, beginnen sich die Präferenzen zu differenzieren. Eine Stiftung bevorzugt die Architektur von Solana und verweist auf den hohen Durchsatz, die niedrige Latenz und die Unabhängigkeit von Rollups. Eine andere hält Ethereum statt Solana und konzentriert sich auf die tatsächliche Adoption von Ethereum sowie seinen dominierenden Marktanteil bei realen Anwendungen von Krypto-Assets, einschließlich DeFi, Prognosemärkten, Tokenisierung und Stablecoins.
Bemerkenswert ist, dass Institutionen diese Assets in fast allen Fällen als durch tatsächlichen Nutzen getriebene Assets betrachten; ihr Wert stammt aus realen Anwendungen in der realen Welt. Einige Krypto-Insider versuchen, Ethereum, insbesondere Ethereum, als Konkurrenten zu Bitcoin in monetären Anwendungen zu positionieren, doch die institutionelle Gemeinschaft teilt diese Auffassung nicht. Aus ihrer Sicht sind diese Assets nur dann investierbar, wenn mit steigender Transaktionsaktivität und steigenden Gebühren der Wert eindeutig auf die zugrunde liegenden Token von Ethereum und Solana akkumuliert wird.
03 / Die Allokationsgröße ist gering, aber die Gesamtrichtung ist steigend
Der Anteil der Krypto-Allokation am investierbaren Vermögen reicht von 0,5 % bis 13 %, wobei die meisten zwischen 1 % und 2 % liegen, üblicherweise verteilt auf ETFs, Direkthaltungen, Wagniskapital und Hedgefonds. Die gängige Praxis ist: Die Allokation ist groß genug, um das Portfolio zu beeinflussen, wenn sich die Krypto-Investmentlogik bewahrheitet, aber nicht so groß, dass sie das gesamte Portfolio belastet.
Während der Marktvolatilität von Ende 2025 bis Anfang 2026 behielten die Institutionen ihre bestehenden Allokationen bei oder setzten ihre festgelegten Ziele weiter um. Viele Institutionen verlagern Mittel von illiquideren privaten Investmentvehikeln hin zu Direkthaltungen oder Engagement über ETFs. Einige Institutionen haben zudem marktneutrale Strategien hinzugefügt, um die durch Krypto-Assets verursachte Volatilität zu reduzieren und die Genehmigung von Allokationen zu erleichtern. Ein Entscheidungsträger für Asset Allocation hält dies für den Weg, Institutionen aus der Beobachterrolle zu holen: „Der einfachere Weg, es zu verkaufen, ist, mit marktneutralen Strategien zu beginnen. Man wettet nicht wirklich auf Kryptowährungen, man wettet nur auf Arbitrage.“
In den internen Diskussionen dieser Institutionen geht es nicht mehr darum, ob Krypto-Assets allokiert werden sollen, sondern darum, wie viel, über welche Instrumente und welche Assets allokiert werden sollen.
04 / Spot-ETFs haben die Art und Weise verändert, wie Institutionen in den Kryptomarkt eintreten
Spot-Krypto-ETFs haben die Art und Weise verändert, wie Institutionen in diese Asset-Klasse eintreten. Fast alle von uns befragten Institutionen nutzen solche ETFs bereits oder planen deren Nutzung.
Institutionen, die von direkter Verwahrung zu ETFs wechseln, nannten niedrigere Gesamtkosten, geringeren operativen Aufwand und eine einfache Tatsache: Aus Sicht des Backoffice lässt ein ETF Krypto-Assets wie jede andere gewöhnliche Position erscheinen. Für frühe Allokatoren, die jahrelang mit der Verwahrung, Handelsausführung und Positionsberichterstattung von Krypto-Assets befasst waren, ist dieser Punkt wichtiger, als viele denken.
Institutionen, die noch nicht zu ETFs gewechselt sind, sind meist durch private Investmentvehikel eingeschränkt und können den Ausstiegszeitpunkt nicht frei wählen. Diese Institutionen prüfen ETFs aktiv und berücksichtigen neben denselben operativen Vorteilen auch die Rebalancing-Flexibilität und Liquidität, die geschlossene Produkte nicht bieten können.
Allerdings gibt es auch einige wenige Institutionen, die bewusst keine ETFs nutzen. Ein Staatsfonds baut eine lokale Verwahrinfrastruktur auf, um die Anforderung der Regierung nach direkter Kontrolle über die zugrunde liegenden Krypto-Assets zu erfüllen. Die Richtlinien einer großen öffentlichen Stiftung verbieten es ihr, jegliche physische Rohstoffe zu halten, einschließlich über ETFs. Eine andere Institution erwähnte, dass ETF-Bestände möglicherweise über 13F-Dokumente offengelegt werden müssen, was zu einer öffentlichen Exposition führt, die sie vermeiden möchten.
Dieser Punkt beeinflusst auch die Schätzung der Größe institutioneller Bestände. Da einige Institutionen bewusst in Instrumente investieren, die die 13F-Offenlegung umgehen, sollten Schätzungen institutioneller Krypto-Asset-Bestände auf Basis von 13F-Dokumenten als Mindestschätzung und nicht als Obergrenze betrachtet werden.
05 / Die Kombination aus Gold und Bitcoin ist zu einem wichtigen Allokationsrahmen für Institutionen geworden
Für die meisten von uns interviewten Institutionen werden Bitcoin und Gold heutzutage oft zusammen betrachtet. Insbesondere für Institutionen, die eine Abwertung der Kaufkraft von Fiat-Währungen befürchten, ist Bitcoin ein wichtiger Bestandteil des Portfolios. Eine große Stiftung sagte: „Die Leute beginnen, Bitcoin und Gold zusammen als Investition zur Absicherung gegen Fiat-Abwertung zu betrachten.“
Mehrere Stiftungen bauen bewusst gleichzeitig Bitcoin- und Goldpositionen auf und betrachten dies als eine Option für die Portfoliokonstruktion. In einem bemerkenswerten Fall finanzierte ein Staatsfonds einen Teil seiner Krypto-Asset-Allokation durch den Verkauf von Devisen- und Goldreserven.
Für einige Institutionen erscheinen Bitcoin und Gold zunehmend wie zwei Ausdrucksformen derselben Anlagethese und nicht nur als komplementäre Assets. Eine Institution ordnete Bitcoin in die „Goldkategorie“ ein und äußerte offen ihre langfristige Sicht: „Wenn wir in zehn Jahren wieder darüber sprechen, könnten wir Ihnen sagen, dass wir Gold aufgegeben haben und jetzt vollständig auf Bitcoin umgestiegen sind.“
Allerdings vertreten nicht alle Institutionen diese Ansicht. Eine Stiftung lehnt die Bezeichnung „digitales Gold“ vollständig ab und klassifiziert alle Krypto-Assets als disruptive Technologie und nicht als Wertaufbewahrungsmittel.
06 / Allokationshürden kommen aus dem operativen und reputativen Bereich, nicht aus der Investitionsanalyse
Bei den von uns interviewten Institutionen ist die Beurteilung, ob Krypto-Assets investitionstechnisch attraktiv sind, in der Regel die am einfachsten zu lösende Hürde. Die bisherige Performance und Entwicklungsgeschichte von Krypto-Assets sind ziemlich klar, und die Ansicht, dass Krypto-Assets eine disruptive Technologie sind, ist weit verbreitet. Man ist der Meinung, dass sie mehrere Bereiche verändern wird, von den Kapitalmärkten über globale Zahlungen bis hin zu Märkten für Wertaufbewahrung.
Was die Allokation wirklich verlangsamt, sind operative, reputative und Klassifizierungsprobleme: wie man Assets verwahrt, wie man die Investitionslogik öffentlich erklärt und wie man Krypto-Assets in ein Portfolio integriert, das auf Aktien, Anleihen und alternativen Anlagen basiert. Im Laufe der Zeit nehmen diese Hindernisse jedoch allmählich ab, so wie es bei allen aufkommenden Anlageklassen der Fall war.
Der praktischste Rat, den wir gehört haben, kam von einem Multi-Family-Office: „Man muss nur einen Prozess etablieren.“ Mit anderen Worten: Wenden Sie denselben Bewertungsrahmen auf Krypto-Assets an wie auf andere Assets. Auch wenn sie diese Art von Assets als „erschreckend volatil“ betrachten, sollten Sie nicht allein für Krypto-Assets eine höhere Investitionshürde festlegen.
Die Entscheidungsrahmen der verschiedenen Institutionen unterscheiden sich stark. Am einen Ende stehen Institutionen ohne formellen Genehmigungsprozess, bei denen das Investmentteam nach der Entscheidung zur Allokation direkt handelt. Am anderen Ende wird das Krypto-Projekt eines Staatsfonds direkt von hochrangigen Vertretern der Zentralbank des Landes geprüft, einschließlich Hintergrundüberprüfung des Chief Investment Officers, Sicherheitsüberprüfung, Reputationsrisiken und Peer-Anerkennung. Diese Faktoren erhalten mehr Aufmerksamkeit als die fundamentalen Gründe der Investition selbst.
Eine weitere Schwierigkeit ist die Klassifizierung von Krypto-Assets. Mehrere Institutionen hatten Schwierigkeiten, Ethereum und Solana einzuordnen, und einige entschieden sich allein wegen dieser Unklarheit gegen eine Investition. Zwei Stiftungen lösten dieses Problem auf unterschiedliche Weise: Eine fügte in ihrem Risikokapitalportfolio eine Kategorie „liquides Risikokapital“ hinzu; die andere umging die Debatte und ordnete alle Krypto-Assets dem Risikokapital zu.
07 / Karriererisiko ist ein wichtiger Faktor für institutionelles Verhalten
Karriererisiko, also der berufliche Preis, den ein Investmentprofi für eine fehlgeschlagene Allokation zahlen könnte, beeinflusst jede öffentlich orientierte Institution, die wir interviewt haben. Es ist oft einer der wichtigsten Faktoren bei der Entscheidung, ob und wie allokiert wird. Stiftungen, öffentliche Pensionsfonds und Staatsfonds nannten es alle als Überlegung. Kleinere, weniger exponierte oder von Gründern geführte Institutionen spüren weniger Druck, aber der Druck ist dennoch vorhanden.
Bemerkenswert ist, dass wir festgestellt haben, dass institutionelle Allokationen oft gehäuft auftreten. Sobald eine bestimmte Anzahl von Peers eine Allokation abgeschlossen und offengelegt hat, verschiebt sich das Risiko von „Ich habe allokiert und es ging schief“ zu „Alle anderen haben allokiert und ich habe es verpasst“. Unsere Interviews deuten darauf hin, dass der Stiftungssektor möglicherweise kurz vor diesem Wendepunkt steht. Mehrere große Universitätsstiftungen haben ihre Krypto-Asset-Bestände bereits öffentlich offengelegt, und mehrere Stiftungen haben uns gesagt, dass sie Peers jetzt direkter nach Krypto-Asset-Allokationen fragen als früher. Eine von ihnen erklärte sogar ausdrücklich, dass der Vergleich mit Peers einer der Hauptantriebe für ihre Krypto-Asset-Allokation sei.
Dies birgt jedoch auch ein Risiko: Bei einem länger anhaltenden Marktabschwung könnte sich der Wind wieder drehen, und dann könnte das Reputationsrisiko einer Krypto-Asset-Allokation das Risiko einer Nicht-Allokation übersteigen.
08 / Institutionelle Krypto-Fondsverwaltungsgesellschaften sind stark konzentriert
Es gibt nicht viele Krypto-Fondsverwaltungsgesellschaften, die den Anforderungen institutioneller Anleger entsprechen. Ein Staatsfonds sagte: „Es ist schwierig, Verwaltungsgesellschaften zu finden, die unsere Mindestanforderungen an Größe, ausgereifte Erfolgsbilanz und operative Infrastruktur erfüllen. Wir haben etwa zehn Namen gefunden.“ Als er Informationen mit anderen Institutionen austauschte, änderte sich die Liste kaum: „Die Due-Diligence-Fortschritte der verschiedenen Institutionen unterscheiden sich, aber alle prüfen dieselbe Gruppe von Verwaltungsgesellschaften.“ Die anderen Institutionen, die wir interviewten, bestätigten dies.
Diese Konvergenz ist bis zu einem gewissen Grad beruhigend, da sie zeigt, dass institutionelle Anleger nach strenger Prüfung zu ähnlichen Schlussfolgerungen darüber gelangt sind, welche Verwaltungsgesellschaften die Anforderungen erfüllen können. Sie führt jedoch auch zu einer Risikokonzentration. Da mehr Institutionen die Due Diligence abschließen und mit Investitionen beginnen, wird ein erheblicher Teil des Kapitals an eine kleine Anzahl von Unternehmen fließen. Wenn eines davon Compliance-Fehler oder Betriebsstörungen aufweist, könnte die gesamte institutionelle Gruppe betroffen sein. Einige Anleger sorgen sich um die daraus resultierenden Folgen. Eine Stiftung sagte: „Fonds, die zu viel Kapital einsammeln und gezwungen sind zu investieren, während es auf dem Markt nicht genügend gute Gelegenheiten gibt, sind ein Risiko.“
Diese Konzentration hat auch umgekehrte Auswirkungen. Verwaltungsgesellschaften sind begierig auf Kapital von Staatsfonds und Stiftungen, daher haben große Anleger eine große Verhandlungsmacht. Einige Institutionen nutzen dies, um Kooperationsformen zu suchen, die über gewöhnliche Fondsanlagen hinausgehen. Ein Staatsfonds erwägt, direkt Anteile an Verwaltungsgesellschaften zu halten, um „vollständige Transparenz zu erhalten, ihre Anlagestrategien zu verstehen und den Markt besser zu verstehen“.
09 / Die Exit-Bedingungen hängen von der Anlagelogik ab, nicht vom Preis
Von Oktober 2025 bis April 2026 fiel der Kryptomarkt um etwa 50 %. Keine der von uns interviewten Institutionen reduzierte in diesem Zeitraum ihre Krypto-Allokation; einige stockten sogar auf. Auf die Frage, was sie zum Ausstieg bewegen würde, nannte niemand einen Preisverfall.
Stattdessen bezogen sich ihre Exit-Bedingungen alle auf die Anlagelogik. Mehrere Institutionen gaben an, dass sie aus Ethereum und Solana aussteigen würden, wenn sich in den kommenden Jahren zeige, dass das Wachstum der realen Nutzung nicht zu steigenden Vermögenspreisen führe. Eine Institution, die seit zehn Jahren Krypto-Assets hält, sagte unverblümt: „Irgendetwas muss wirklich funktionieren. Wenn es zu einem bestimmten Zeitpunkt immer noch nicht funktioniert, werden wir aussteigen.“ Institutionen, die nur Bitcoin halten, gaben an, dass sie ihre Allokation überdenken würden, wenn auf Ethereum oder Solana eine klare Anwendung entstünde, die den Wertfluss wesentlich verändert. Staatsfonds nannten eine Umkehr der Regulierungsrichtung oder eine schwerwiegende Vertrauenskrise der Branche als Gründe für einen möglichen Ausstieg.
Einige dieser Institutionen halten bereits Positionen und haben mehrere Marktrückgänge von über 50 % erlebt, einschließlich des Rückgangs im Jahr 2022. Sie sind nicht überrascht von der Volatilität und lassen sich dadurch nicht abschrecken.
Ein Anlageberater sagte: „Wenn die Anlagelogik richtig ist und man das S-Kurven-Wachstum der Adoption berücksichtigt, wäre ein Verkauf jetzt ein zu früher Verkauf.“
Das bedeutet, dass bei einem Rückgang des Kryptomarktes die Hauptverkäufer nicht institutionelle Anleger sind, sondern Privatanleger, zum Verkauf gezwungene Halter oder Trader, die kurzfristige Strategien ausführen, wie das Schließen von Basisgeschäften oder die Liquidation von Margin-Positionen. Institutionelle Anleger stehen oft auf der anderen Seite dieser Geschäfte.
10 / Die Krypto-Allokation von Staatsfonds nimmt allmählich Gestalt an
Mehrere der von uns interviewten Staatsfonds bewerten aktiv eine beträchtliche Krypto-Allokation. Einige haben die Allokation bereits abgeschlossen, andere befinden sich noch in einer frühen Forschungsphase. Unabhängig vom Fortschritt stellten wir fest, dass ihre Haltung gegenüber Krypto-Assets insgesamt positiv ist. Im Vergleich zu kleineren Krypto-Anlegern gehen Staatsfonds jedoch langsamer bei der Umsetzung von Allokationen vor.
Ein Staatsfonds erklärte, dass selbst wenn der Präsident Unterstützung zeigt und die politische Führung sich geeinigt hat, der Aufbau der rechtlichen und regulatorischen Infrastruktur, die erforderlich ist, um Staatskapital in Krypto-Assets zu lenken, mehr als ein Jahr dauern würde. Andere Staatsfonds erwähnten öffentlich, dass entsprechende Pläne über mehrere Jahre vorangetrieben werden.
Ebenso bemerkenswert ist, dass die Gründe von Staatsfonds für eine Krypto-Allokation manchmal über die Auswirkungen auf das Portfolio selbst hinausgehen. Mehrere souveräne Anleger betrachten Krypto-Investitionen als Mittel, um ausländisches Kapital anzuziehen, nationale Krypto-Industriepläne zu unterstützen oder ihr Land zu einem Hub für diese schnell wachsende Branche zu machen. Diese Denkweise hat eine praktische Auswirkung: Selbst wenn die Anlagerenditen schlecht sind, könnten Institutionen ihre Positionen weiter halten, solange die Verfolgung dieser Nebenziele noch wertvoll ist. Daher könnte die Krypto-Allokation von Staatsfonds nachhaltiger sein als vom Markt erwartet.
Ausblick
Hinter all unseren Interviews steht eine grundlegende Frage: Wird sich die institutionelle Adoption von Krypto-Assets beschleunigen oder verlangsamen? Insgesamt zeichnen die Interviewergebnisse ein positives Bild. Doch wir stellten zunehmend fest, dass es davon abhängt, ob die institutionelle Adoption wächst oder stagniert, und zwar von vier Schlüsselfaktoren, von denen zwei Antriebskräfte und zwei Hindernisse sein könnten.
Der erste wesentliche positive Faktor ist regulatorische Klarheit. Mehrere Befragte gaben an, dass die Zulassung von Spot-Krypto-ETFs und die krypto-freundliche Regulierungshaltung der derzeitigen US-Regierung treibende Faktoren für ihre jüngste Ausweitung der Allokation waren. Weitere regulatorische Fortschritte, einschließlich der Zulassung weiterer Produkte, der Verabschiedung krypto-freundlicher Gesetze und der Adoption von Krypto-Assets auf souveräner Ebene in anderen Ländern, würden die operativen, reputationsbezogenen und regulatorischen Hürden senken und mehr Investitionen fördern.
Der zweite positive Faktor ist die zunehmende Beteiligung von Gleichgesinnten, was in der Regel einen Flywheel-Effekt mit sich bringt: Je mehr glaubwürdige Institutionen öffentlich investieren, desto geringer sind die Reputationskosten für Investitionen in Krypto-Assets, und desto wahrscheinlicher ist es, dass auch andere Institutionen öffentlich investieren. Unsere Forschung zeigt, dass diese Dynamik bereits wirkt: Jede zusätzliche Institution, die investiert, kann die Eintrittsbarriere für mehrere Institutionen senken. Dieselbe Kraft kann auch in die entgegengesetzte Richtung wirken. Daher sind wir der Ansicht, dass sich der Trend zur institutionellen Adoption sowohl bei einer positiven als auch bei einer nachlassenden Entwicklung eher exponentiell als linear verändern dürfte.
Was die negativen Faktoren betrifft, so ist das größte Abwärtsrisiko eine schwerwiegende Krise in der Krypto-Branche, einschließlich technischer Störungen oder des Zusammenbruchs wichtiger Brancheninstitutionen. In der Vergangenheit haben schwerwiegende Krisen die institutionelle Adoption für Jahre zum Stillstand gebracht. Ähnliche Ereignisse könnten die Überlegungen der Institutionen zum Berufsrisiko wahrscheinlich wieder verändern und neue Investitionen über einen längeren Zeitraum verhindern. Eine verstärkte Regulierung sowie substanzielle Fortschritte bei Verwahrung, Sicherheit und Infrastruktur haben dieses Risiko eines „Zusammenbruchs“ bereits erheblich verringert, aber nicht vollständig beseitigt.
Die zweite Risikostufe besteht darin, dass Ethereum, Solana und Krypto-Anwendungen nicht nachweisen können, dass sie bei großflächiger Nutzung einen signifikanten Nutzen haben. Für Institutionen, die diese Assets halten, reicht es nicht aus, dass Krypto-Anwendungen wie Stablecoins, DeFi, Tokenisierung und Prognosemärkte von jemandem genutzt werden; wenn diese Aktivitäten keinen Wert für die zugrunde liegenden Token schaffen, lässt sich die Investitionsthese nicht belegen. Mit anderen Worten: Wachsende Akzeptanz allein genügt nicht, auch der Preis muss mitziehen. Mehrere Institutionen haben dafür klare Fristen gesetzt, in der Regel in den nächsten Jahren, und beobachten, ob Stablecoin-Transaktionsvolumina, DeFi- und Tokenisierungsaktivitäten sowie Gebühren tatsächlich bei den zugrunde liegenden Token von Ethereum und Solana anfallen und nicht an Wettbewerber oder andere Ebenen im Technologie-Stack fließen. Wenn es keine substanzielle Akzeptanz gibt oder das Wachstum der Akzeptanz den Token-Wert nicht steigert, könnten institutionelle Portfolios am Ende nur Bitcoin behalten.
Wie verschiedene Arten institutioneller Anleger heute Krypto-Assets sehen
Während des gesamten Interviewprozesses hat uns ein interessantes Phänomen beeindruckt: Institutionelle Anleger aller Art sind sich weitgehend einig, dass die Aufnahme von Krypto-Assets in ein Portfolio sinnvoll sein könnte, doch unterscheiden sie sich in der konkreten Ausgestaltung der Allokation, einschließlich der Frage, wer genehmigt, wer überwacht und wo Krypto-Assets im Portfolio platziert werden sollten.
01 / Stiftungen und Fonds
Verwaltetes Vermögen: 500 Millionen bis 75 Milliarden US-Dollar
Krypto-Asset-Allokation: 0,5 % bis 10 % (meist 0,5 % bis 2 %; eine Institution erreichte zeitweise 10 %)
Verwendete Anlageinstrumente: Risikokapital, Spot-ETFs, direkte Verwahrung, Hedgefonds
Stiftungen und Fonds sind Vorreiter bei der institutionellen Adoption von Krypto-Assets, und viele von ihnen geben an, bereits in beträchtlichem Umfang investiert zu haben. Der Grund dafür ist, dass sie im Vergleich zu anderen Institutionen in der Regel geringeren Governance-Anforderungen unterliegen. Unseren Interviews zufolge hing die Entscheidung über eine Allokation in den meisten Fällen hauptsächlich vom Urteil des Chief Investment Officers und eines kleinen Teams ab und erforderte nicht den langwierigen Genehmigungsprozess eines großen Ausschusses.
Ein herausragendes Merkmal dieser Gruppe ist der intensive Wettbewerb zwischen den Institutionen. Da Stiftungen ihre Performance miteinander vergleichen, kann ihre Krypto-Asset-Allokation spieltheoretische Elemente enthalten: Wie viel Krypto-Assets halten die Wettbewerber? Wenn die eigene Allokationsquote unter oder über der der Peers liegt, welche Auswirkungen hat das auf die relative Performance? Ein erfahrener Investmentprofi einer großen US-Stiftung sagte unverblümt: „Wenn Peers Krypto-Assets halten und Sie nicht, dann sind Sie relativ zu der Benchmark, an der Sie gemessen werden, faktisch strukturell short.“
Daher kann das Allokationsverhalten dieser Gruppe sich gegenseitig verstärken: Jede Offenlegung einer Allokation kann eine Kettenreaktion auslösen, die Peers dazu bringt, nachzuziehen oder die Praxis von Wettbewerbern nachzuahmen.
Eine Stiftung unterscheidet sich von anderen Institutionen dadurch, dass ihre Krypto-Asset-Bestände zeitweise mehr als 10 % des Portfolios ausmachten. Sie kümmert sich weniger darum, was Peers tun, sondern betrachtet Krypto-Assets als Wette auf Wachstums- und disruptive Technologien. Diese Haltung unterstützt eine größere Allokation und entspricht ihrer missionsorientierten Anlagestrategie, nämlich „disruptive Technologien aktiv zu umarmen, von denen wir glauben, dass sie Stiftungen verändern und letztlich den Begünstigten langfristig zugutekommen können“.
02 / Staatsfonds
Verwaltetes Vermögen: 1 Milliarde bis 100 Milliarden US-Dollar
Krypto-Asset-Allokation: 1,0 % bis 1,5 %
Verwendete Anlageinstrumente: Hedgefonds (direktional und marktneutral), Risikokapital, direkte Verwahrung, Spot-ETFs und Indexfonds
Staatsfonds stehen am anderen Ende des Governance-Spektrums. Bei einem Staatsfonds, mit dem wir sprachen, unterliegt die Krypto-Allokation der Prüfung durch die Führung der Zentralbank des Landes. Die Hauptfragen drehen sich um die Außenwirkung, etwa wie diese Investition aussehen würde, wenn sie öffentlich bekannt würde, und ob andere Staatsfonds und Zentralbanken bereits vorangegangen sind.
Ein Staatsfonds beschrieb seinen Ansatz so: Sie müssten zuerst den Anlageausschuss und den Vorstand überzeugen und dann klein anfangen, und die Allokation erst ausweiten, wenn sich die Außenwirkung und das regulatorische Umfeld verbessert haben. Ein Teil des Widerstands rührt aus der Sorge um das Risiko selbst. Viele Mitglieder mit traditionellem Finanzhintergrund sagten, die Volatilität von Krypto-Assets „schrecke sie wirklich ab“, denn selbst weniger volatile Krypto-Assets hätten eine relativ hohe annualisierte Volatilität. Ein anderer Staatsfonds erinnerte sich, dass selbst eine einfache Relative-Value-Strategie der direkten Prüfung durch die Zentralbank unterlag: „Offen gesagt war es wirklich schwierig, unsere erste Krypto-Investition zu präsentieren.“
Gleichzeitig wiesen mehrere Staatsfonds darauf hin, dass sie Krypto-Assets nicht nur wegen der Rendite allokieren. Der Besitz von Krypto-Assets kann auch eine nationale Strategie darstellen, ein Signal senden, dass das Land beabsichtigt, ein Hub für diese Branche zu werden, und mit dem Gesamtplan zum Aufbau von Krypto-Infrastruktur und zur Verbesserung der Regulierung kombiniert werden. Ein Staatsfonds beschrieb seine Allokation als eine mehrjährige Wette mit dem Ziel globaler Anerkennung statt kurzfristiger Rendite.
Dieses doppelte Ziel verleiht souveränem Kapital eine ungewöhnliche Beständigkeit. Ist die Allokation einmal abgeschlossen, können strategische Gründe die Institution weiterhin stützen, selbst wenn die Anlagerenditen nicht ideal sind.
03 / Öffentliche Pensionsfonds
Verwaltetes Vermögen: 1 bis 10 Milliarden US-Dollar
Krypto-Allokation: 1,5 % bis 4,5 %
Verwendete Anlageinstrumente: Risikokapital und Hedgefonds
Die Adoption von Krypto-Assets durch öffentliche Pensionsfonds ist uneinheitlich. Der Hauptgrund ist, dass öffentliche Pensionsfonds nicht nur dem Vorstand gegenüber rechenschaftspflichtig sind, sondern auch der Aufsicht durch gewählte Beamte, Begünstigte, Rentner und lokale Medien unterliegen, wodurch sie stärkerer Prüfung ausgesetzt sind als jede andere Institutionenklasse. Offen gesagt: Pensionsfonds verzichten nicht deshalb auf Krypto-Assets, weil ihnen der Anlagewert fehlt, sondern wegen externen Drucks. Ein Vertreter eines öffentlichen Pensionsfonds sagte uns, manche „würden viel lieber mittelmäßige Leistungen erbringen, solange wir nur nicht in den Nachrichten auftauchen“. Mit anderen Worten: Das Einzige, was schlimmer ist als Geld zu verlieren, ist, mit Krypto-Assets Geld zu verdienen.
Der Druck durch die öffentliche Reaktion ist groß genug, dass einige Pensionsfonds ihre Vorgehensweise angepasst haben. Ein Team sagte, sie hätten „beschlossen, keine Medieninterviews mehr zu geben, weil Krypto-Assets in der Öffentlichkeit äußerst umstritten sind“. Dasselbe Team sagte, die öffentliche Aufsicht habe „ihre Allokation nicht verändert“, und merkte an: „Die Entschlossenheit der Treuhänder ist sehr groß, sie verstehen die Anlagelogik und halten an ihrer Überzeugung fest; trotz aller Gegenstimmen haben sie an ihrer ursprünglichen Allokation und Anlagelogik festgehalten.“
Dennoch halten Pensionsfonds tatsächlich Krypto-Assets. Ein Pensionsfonds, mit dem wir sprachen, sagte, sie hätten „Krypto-Assets in eine breitere Innovationsallokation aufgenommen, die auch künstliche Intelligenz, Biowissenschaften, Raumfahrt und andere innovative Technologien umfasst“. Die meisten Pensionsfonds strebten anfangs eine Krypto-Allokation von 1 % bis 2 % des Portfolios an, doch einige Institutionen erreichten aufgrund starker Wertentwicklung zeitweise fast 7 %. Zum Zeitpunkt unserer Interviews lag die Position der befragten Pensionsfonds bei 5 % oder darunter.
Offensichtlich beeinflusst die Sorge vor öffentlichem Druck, ob Pensionsfonds Krypto-Assets allokieren und wie sie dies tun. Pensionsfonds, die sich für eine Allokation entscheiden, bevorzugen eher nicht öffentliche Anlageinstrumente wie Risikokapital und Hedgefonds, da diese unauffällig in bestehende alternative Anlageklassen integriert werden können und im Gegensatz zu ETF-Positionen, die möglicherweise offengelegt werden müssen, weniger Aufmerksamkeit erregen.
04 / Multi-Family-Offices und Anlageberater
Verwaltetes Vermögen: 1 bis 50 Milliarden US-Dollar
Krypto-Allokation: 0 % bei gemeinnützigen Organisationen; bis zu 13 % bei Family-Offices (Zielallokation 5 %)
Verwendete Anlageinstrumente: Risikokapital, Spot-ETFs und Indexfonds
Multi-Family-Offices und Anlageberater (von denen einige auch gemeinnützige Organisationen beraten) haben je nach Kundentyp sehr unterschiedliche Ansichten über Krypto-Assets. Bei der Beratung von Familienkunden neigen sie zu entschlossener Allokation und bewerten Krypto-Assets mit denselben fundamentalen und quantitativen Rahmenwerken wie Aktien oder Gold. Bei der Beratung gemeinnütziger Organisationen sind sie in der Regel deutlich vorsichtiger.
Letztlich ist dies eine Frage der unterschiedlichen Entscheidungsebenen. Family Offices sind oft nur einem einzigen Auftraggeber rechenschaftspflichtig und können Entscheidungen möglicherweise innerhalb eines Tages treffen; gemeinnützige Organisationen hingegen werden in der Regel von langfristig amtierenden, auf Konsens basierenden Ausschüssen geleitet, deren Mitglieder dazu neigen, sich an Peer-Benchmarks zu orientieren.
Ein Befragter fasste den Widerstand zusammen, dem sie in Investmentausschüssen gemeinnütziger Organisationen häufig begegnen: „Sie fragen: Was ist das für ein Rattengift? Hat Warren Buffett nicht gesagt, dass es auf null fallen wird?“ Anschließend traf er eine unverblümte Einschätzung der künftigen Entwicklung: „Unsere gemeinnützigen Kunden werden nicht aufgrund der Performance in einem Chart investieren. Sie werden investieren, weil die nächste Generation in den Ausschuss eintritt.“
Diese Erfahrung gilt für unsere gesamte Untersuchung: Wo eine Einzelperson entscheiden kann, werden Krypto-Assets zugeteilt; wo ein Ausschuss Konsens erzielen muss, stockt die Entscheidung oft. Für Family Offices sind Berufsrisiko und öffentliche Wahrnehmung in der Regel keine entscheidenden Faktoren, während genau diese Faktoren öffentlichkeitsorientierte Institutionen zögern lassen können. Das ist auch der Grund, warum Family Offices oft als Erste handeln.
Ein Anlageberater fasste die Unterschiede zwischen diesen beiden Arten von Institutionen zusammen: „Unsere Family-Office-Kunden sind tatsächlich voraus. Sie nehmen sich die Zeit, Krypto-Assets zu verstehen, brauchen keinen Investmentausschuss und haben nicht diese Risiken für ihr öffentliches Image, die sie behindern würden.“
05 / Börsennotierte Unternehmen
Verwaltetes Vermögen: Nicht zutreffend
Krypto-Allokation: 1 % bis 10 % der überschüssigen Barmittel
Verwendete Anlageinstrumente: Spot-ETFs und direkte Verwahrung
Börsennotierte Unternehmen umfassen ein breites Spektrum. An einem Ende stehen Digital Asset Treasury Companies (DAT), deren Zweck es ist, Kapital zu beschaffen, um Krypto-Assets zu kaufen; am anderen Ende stehen krypto-native Unternehmen wie Miner und Börsen, die aufgrund ihres Geschäfts Krypto-Assets halten. Dazwischen beginnen immer mehr gewöhnliche Unternehmen, Krypto-Assets als strategische Reserve zu halten, in der Regel 1 % bis 10 % ihrer überschüssigen Barmittel.
Die bemerkenswerteste Veränderung in dieser Gruppe ist: In den letzten Jahren ist der Widerstand, den Unternehmen beim Halten von Krypto-Assets in ihrer Bilanz erfahren, erheblich gesunken. Ein CFO eines Unternehmens sagte uns, dass es nach ihrer Erfahrung „keine große Sache mehr“ sei, Krypto-Bestände in regulatorischen Dokumenten oder in Telefonkonferenzen zu den Finanzergebnissen offenzulegen. Die Schlussfolgerung dieses CFO verdeutlicht, wie stark sich die Hürde verändert hat: „Es fühlt sich inzwischen wie eine ganz normale Investition an, die ein Unternehmen tätigen kann.“
Fazit
Wir haben zu Beginn des Berichts eine Frage aufgeworfen: Wie betrachten institutionelle Investoren Krypto-Assets? Nach Dutzenden von Stunden des Austauschs mit diesen Entscheidungsträgern, von denen einige die weltweit erfahrensten und einflussreichsten Investoren sind, können wir zu dem Schluss kommen: Dies ist nicht mehr die Frage, die am meisten gestellt werden sollte. Die meisten der von uns interviewten Institutionen diskutieren nicht mehr darüber, ob Krypto-Assets in ein Portfolio gehören sollten, sondern darüber, wie viel sie zuteilen, in welcher Form, nach welchem Zeitplan und unter welchen Governance-Beschränkungen. Die Diskussion hat sich von „ob“ zu „wie“ verschoben.
Dieser Wandel ist die eigentliche Erkenntnis dieses Berichts und wichtiger als jede einzelne Allokationszahl. Investitionsüberzeugungen entstehen langsam und ändern sich langsam. Die Umsetzung von Allokationen hängt von Prozessen, Infrastruktur und Entschlossenheit ab, und alle drei verbessern sich. Beschränkungen können sich allmählich lockern, aber Investitionsüberzeugungen ändern sich nicht auf dieselbe Weise. Die verbleibenden Hindernisse sind größtenteils keine Zweifel am Asset selbst, sondern Fragen von Reputation, Betrieb und Zeit. Wir erwarten, dass diese Hindernisse mit der Zeit verschwinden werden.
Eine wichtige Erkenntnis von uns ist, dass die institutionelle Adoption selbstverstärkend wirkt: Jede Allokation einer glaubwürdigen Institution senkt die Kosten für die nächste Institution, die in den Markt eintritt; eine Offenlegung führt zu weiteren Offenlegungen. Daher sind wir der Ansicht, dass der künftige Entwicklungspfad eher exponentiell als linear verlaufen dürfte. Institutionen, die heute zurückzuliegen scheinen, sind in der Regel keine Skeptiker, die Krypto-Assets grundsätzlich ablehnen. Sie sind lediglich vorsichtige Fachleute, die auf mehr Unterstützung und Daten warten, und diese Bedingungen kommen allmählich.
Natürlich sind die Risiken nach wie vor real. Eine schwerwiegende Krise in der Krypto-Branche könnte den Prozess wieder von vorn beginnen lassen, und anhaltend niedrige Renditen oder eine schlechte Adoption in der realen Welt könnten das Marktinteresse schwächen oder die derzeit laufende Due Diligence behindern.
Doch die künftige Entwicklungsrichtung ist nicht unklar. Die Institutionen, mit denen wir gesprochen haben, zeichnen ein klares Bild: Institutionelles Kapital fließt planmäßig und langfristig in den Krypto-Bereich. Der Prozess der institutionellen Adoption von Krypto-Assets befindet sich in einem früheren Stadium, als es die öffentlichen Daten zeigen, und ist nachhaltiger, als der Markt annimmt. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, erwarten wir, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre die meisten institutionellen Investoren Krypto-Assets halten werden.




