Verfasst von: Will Canny
Übersetzt von: Chopper, Foresight News
Während die großen Gipfeltreffen der Kryptoindustrie darum wetteifern, Star-Redner einzuladen und immer luxuriösere Veranstaltungsorte zu schaffen, hat das Federal Bureau of Investigation (FBI) der Vereinigten Staaten still und leise seine eigene Jahreskonferenz abgehalten.
Drei frühere Teilnehmer, die von CoinDesk interviewt wurden, erklärten, dass der vom FBI veranstaltete Fachkongress für virtuelle Vermögenswerte, früher als Kryptowährungssymposium bekannt, Strafverfolgungsbeamte, Mitarbeiter ausländischer Ermittlungsbehörden sowie Fachleute für Kryptosicherheit zusammenbringt, um Informationen über Kryptokriminalität auszutauschen.
Berichten zufolge nahmen mehrere Blockchain-Forensikunternehmen wie Chainalysis und TRM Labs an der diesjährigen Konferenz teil, die im September in San Antonio, Texas, stattfand. Nikhil Raghuveera, Mitbegründer und Chief Executive Officer von Predicate, einem Anbieter von Infrastrukturdienstleistungen für Blockchain-Finanzcompliance, hielt eine Keynote zum Thema Stablecoin-Compliance und dem GENIUS Act.
Nach Angaben von mit der Sache vertrauten Personen entsandten auch die Security Alliance (SEAL), eine gemeinnützige Organisation, die sich dem Schutz des Krypto-Ökosystems vor Cyberbedrohungen widmet, sowie das Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN), eine dem US-Finanzministerium unterstellte Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und illegalen Finanzaktivitäten, Vertreter zur Konferenz.
Das FBI und Chainalysis lehnten eine Stellungnahme ab, TRM Labs bestätigte die Teilnahme an der Veranstaltung, und Predicate bestätigte ebenfalls, dass der CEO des Unternehmens auf der Konferenz einen Vortrag gehalten hat.
Zwei mit der Sache vertraute Personen erklärten, dass das nur mit Einladung zugängliche Symposium die Teilnehmerzahl privater Anbieter und Partner auf etwa 50 Unternehmen begrenzt, während die Gesamtzahl der Konferenzteilnehmer mehrere Hundert erreichen kann. Das Format umfasst Keynotes, Podiumsdiskussionen, Kamingespräche sowie Networking-Möglichkeiten, und Unternehmen können ihre eigenen Technologieplattformen in einem Demonstrationsraum präsentieren.
Nach Angaben von Quellen, die mit den Interna der Konferenz vertraut sind, umfassten die Diskussionsthemen die illegale Nutzung virtueller Vermögenswerte durch kriminelle Gruppen und Terrorismusfinanzierung, Internetbetrug, verschiedene Arten von Betrug, die Verbreitung von Kinderpornografie, Menschenhandel sowie Gewaltverbrechen. Die Teilnehmer erörterten zudem kürzlich erfolgte Hackerangriffe, nordkoreabezogene Aktivitäten sowie praktikable Lösungen für den Informationsaustausch zwischen der Industrie und Strafverfolgungsbehörden.
Zu den Teilnehmern zählten sowohl hochrangige FBI-Beamte und Ermittler an vorderster Front als auch Vertreter anderer US-Regierungsbehörden sowie ausländische Strafverfolgungspartner.
Ein Teilnehmer sagte: „Dies ist keine Krypto-Industriekonferenz, dies ist eine spezielle Strafverfolgungskonferenz für Strafverfolgungsbehörden und ihre Partner.“
Die Atmosphäre des Symposiums unterscheide sich völlig von derjenigen eines Branchengipfels; alle Diskussionen drehten sich um illegale Finanzaktivitäten, nationale Sicherheit sowie Ermittlungsarbeit mit dem Ziel, Verdächtige festzunehmen und Vermögenswerte zu beschlagnahmen. Der Teilnehmer fügte hinzu, dass Ermittler auf der Konferenz aktuelle reale Bedrohungen, Techniken zur Geldverfolgung sowie bereits erfolgreich abgeschlossene Fälle austauschten.
Eine Konferenz mit extrem geringer öffentlicher Aufmerksamkeit
Zwei anonyme, mit der Sache vertraute Personen erklärten, dass dieses von der Regierung finanzierte Symposium inzwischen im neunten Jahr stattfindet und insgesamt mehrere Hundert Teilnehmer angezogen hat.
Die Konferenz ist nicht als geheim einzustufen, erhielt jedoch kaum Medienaufmerksamkeit. Die meisten öffentlichen Informationen stammen aus Beiträgen einzelner Teilnehmer und nicht aus offiziellen Ankündigungen des FBI, und es gibt keine der für kommerzielle Krypto-Konferenzen übliche Werbekampagne.
Ein auf LinkedIn veröffentlichter Beitrag des Token-Recovery-Managers Roman Bieda bestätigte, dass das Symposium 2024 in Austin stattfand.
Bieda, der zum dritten Mal teilnahm, erklärte, die Konferenz bringe Experten aus dem öffentlichen und privaten Sektor verschiedener Länder zusammen, um Bedrohungen wie Geldwäsche, Ransomware, Menschenhandel und kryptobezogene Betrugsfälle zu erörtern. Vor der Veröffentlichung des Artikels antwortete er nicht auf Anfragen zur Stellungnahme.
Von einer internen Regierungsversammlung zu einem multilateralen Branchenforum
Eine befragte Person erklärte, dass in der Anfangsphase der Konferenz überwiegend Bedienstete von Regierungsbehörden teilnahmen, die Veranstaltung dann jedoch kontinuierlich erweitert wurde und mehr Vertreter der Kryptoindustrie einbezog.
Die Inhalte der Konferenz sind praxisorientiert und sollen den Teilnehmern neue Angriffsmethoden, in der Praxis wirksame technische Werkzeuge sowie die Muster vermitteln, mit denen nordkoreanische Hackergruppen Angriffe auf Kryptounternehmen durchführen.
Die Quelle ergänzte, dass es auf der Konferenz auch einen ausführlichen Präsentationsbericht gab, der den Hackerangriff auf Drift in Höhe von 270 Millionen US-Dollar aufarbeitete. Im April 2026 erlangten Hacker Administratorrechte und stahlen mithilfe manipulierter Token als Sicherheit mehr als 270 Millionen US-Dollar an Vermögenswerten von dieser dezentralen Börse im Solana-Ökosystem.
Gemeinsamer Austausch von Bedrohungsinformationen im Kryptobereich
Ein Teilnehmer erklärte, dass sich das FBI-Symposium bewusst von der glanzvollen Atmosphäre und den Marketingaktivitäten großer Krypto-Gipfel abhebe. Die zunehmende Beteiligung von Brancheninstitutionen spiegele jedoch wider, dass Strafverfolgungsbehörden derzeit in hohem Maße auf Kryptounternehmen, Blockchain-Analyseunternehmen und Sicherheitsforscher angewiesen sind, um Angreifer zu lokalisieren und gestohlene Gelder zu verfolgen.
„Diese Veranstaltung legt keinen Wert auf Pomp; ihr Kernziel ist es, herauszufinden, wer was tut, welche bewährten Verfahren es gibt und welche neuen Bedrohungen künftig auftreten werden.“
Daten aus einem Chainalysis-Bericht zeigen, dass Kryptoaktivitäten im Zusammenhang mit sanktionierten Staaten im Jahr 2025 stark zugenommen haben; Russland, Iran und Nordkorea nutzen zunehmend digitale Vermögenswerte, um staatlich gelenkte Finanz- und Sicherheitsoperationen zu unterstützen; das Volumen der von sanktionierten Akteuren erhaltenen Krypto-Vermögenswerte stieg im Jahresvergleich um 694 %.
Das FBI gründete im Februar 2022 die Abteilung für virtuelle Vermögenswerte als zentrale Anlaufstelle für die kryptobezogenen Arbeiten der Behörde. Sie bündelt Fachkräfte aus den Bereichen Strafrecht und Cyber, um Fallermittlungen, Geheimdienstanalysen und die Verfolgung illegaler Gelder zu unterstützen. In einer damaligen offiziellen Pressemitteilung hieß es, die Einrichtung dieser Abteilung erfolge vor dem Hintergrund, dass digitale Vermögenswerte in großem Umfang für Ransomware, sexuelle Ausbeutung von Kindern, Auftragsmorde, Terrorismusfinanzierung und verschiedene andere Straftaten genutzt würden.
Doch mit der Sache vertraute Personen erklärten, dass das FBI bereits vor 2022 Fälle im Zusammenhang mit virtuellen Vermögenswerten bearbeitet habe und ein spezielles Team für diesen Bereich bereits etwa zehn Jahre lang bestehe.
Ein Teilnehmer bewertete: „Der Wert dieser Konferenz liegt darin, dass man sehen kann, wie Strafverfolgungsbehörden auf verschiedene illegale Aktivitäten reagieren und welch hohen Stellenwert sie dem beimessen.“






